
Hintergrund
Die Integration von Tools der künstlichen Intelligenz (KI) in die medizinische Grundversorgung verspricht eine Verbesserung der Patient:innenversorgung und eine Verringerung der Arbeitsbelastung des Fachpersonals. Die Einführung von KI ist jedoch nach wie vor uneinheitlich, da die geplante Nutzung von KI-Tools und die derzeitige Praxis nicht miteinander übereinstimmen. Vertrauen wurde als wichtiger Katalysator für die Einführung identifiziert, doch die Umsetzung wird durch mehrere Hindernisse beeinträchtigt, darunter Datensicherheit und ethische Überlegungen. Darüber hinaus stellt das KI-Gesetz der Europäischen Union strenge Anforderungen an risikoreiche KI-Systeme, darunter auch solche, die im Gesundheitswesen eingesetzt werden. Diese regulatorischen Maßnahmen können zu Vorbehalten bei Ärzt:innen und KI-Entwickler:innn führen. Darüber hinaus ist wenig über die Einstellung von Hausärzt:innen zum Einsatz von KI zur Verringerung des Verwaltungsaufwands und zur Rationalisierung ihrer Arbeitsabläufe bekannt.
Ziele und Forschungsfragen
Das PRIMA-AI-Projekt befasst sich mit den folgenden Forschungsfragen, die in drei Arbeitspaketen (AP) zusammengefasst sind:
AP1: Perspektiven von Expert:innen zur Rolle der KI-Entwicklung und -Regulierung in der primären Gesundheitsversorgung: Interviews mit KI-Expert:innen
- Was sind die wichtigsten Chancen und Herausforderungen, denen KI-Expert:innen bei der Entwicklung von Tools für die primäre Gesundheitsversorgung in Deutschland begegnen?
- Wie beeinflusst das EU-KI-Gesetz die Entwicklung und Implementierung von KI-Anwendungen in der primären Gesundheitsversorgung?
AP2: Aktuelle Anwendungen und Hindernisse für den Einsatz von KI durch Hausärzt:innen in der primären Gesundheitsversorgung: Umfrage unter allen derzeit praktizierenden Hausärzt:innen in Deutschland
- Inwieweit werden KI-basierte Tools derzeit von Hausärzt:innen genutzt, und welche Arten von KI-Anwendungen werden in der primären Gesundheitsversorgung in Deutschland am häufigsten eingesetzt?
- Welche Faktoren beeinflussen die Entscheidung von Hausärzt:innen, KI-Tools in ihrer täglichen Arbeit einzusetzen oder abzulehnen?
AP3: Verständnis der Auswirkungen, Wirksamkeit und Zukunft von KI in der primären Gesundheitsversorgung: Fokusgruppen mit KI-Expert:innenund Hausärzt:innen
- Wie beurteilen Hausärzt:innen und KI-Expert:innen den Nutzen und die Risiken von KI in klinischen und administrativen Umgebungen?
- Welche Rolle sehen Hausärzt:innen und KI-Expert:innen für KI in der Zukunft der primären Gesundheitsversorgung und welche Unterstützung ist erforderlich, um diese Vision zu verwirklichen?
Methoden
In WP1 werden wir Online-Interviews mit KI-Expert:innen aus Deutschland durchführen (darunter Expert:innen aus Wissenschaft und Industrie). Dabei werden wir Einblicke gewinnen, was aus technischer Sicht derzeit möglich ist und wo KI-Expert:innen Hindernisse (regulatorischer, sozialer, technischer Art usw.) sehen sowie das Potenzial zur Verringerung der Arbeitsbelastung von Hausärzt:innen und zur Verbesserung der Patientenversorgung durch KI.
Für WP2 werden wir eine Online-Umfrage mit allen derzeit praktizierenden Hausärzt:innen in Deutschland durchführen, um deren Nutzung und Motivation zur (Nicht-)Nutzung von KI-Tools im Rahmen ihrer Arbeit zu bewerten. Alle Hausärzt:innen werden von uns direkt per E-Mail kontaktiert und über die Newsletter der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), des Hausärztinnen und Hausärzt:innen Bundesverbandes und der Deutschen Gesellschaft für künstliche Intelligenz in der Medizin zur Teilnahme an der Studie eingeladen.
Für WP3 werden wir die an der Umfrage teilnehmenden Hausärzt:innen und die KI-Expert:innen zu einer Online-Fokusgruppendiskussion einladen, in der wir beide Perspektiven zusammenbringen, um eine Bedarfsanalyse für die zukünftige Ausrichtung der KI in der primären Gesundheitsversorgung durchzuführen.
Erwartete Ergebnisse
Die Ergebnisse des PRIMA-AI-Projekts werden Aufschluss über die Implementierung von KI-Tools in der primären Gesundheitsversorgung geben, indem sie den aktuellen Umfang ihrer Nutzung aufzeigen, die gängigsten und potenziellen Anwendungsbereiche für den künftigen Einsatz von KI-Tools in der primären Gesundheitsversorgung identifizieren und Hindernisse für ihre Einführung aufzeigen. Das Projekt wird zusätzlich Einblicke in die Wahrnehmung der Risiken und Vorteile von KI durch Hausärzt:innen und KI-Expert:innen liefern. Die Zusammenführung beider Perspektiven wird eine bedarfsgerechtere Entwicklung und fundierte Implementierungsstrategien für zukünftige KI-Tools zur Entlastung der medizinischen Grundversorgung ermöglichen. Dieses umfassende Verständnis wird dazu beitragen, gezielte Governance-Strategien zu entwickeln, um die Integration von KI in der medizinischen Grundversorgung effektiv und nachhaltig zu verbessern.
Laufzeit
1. November 2025 – 28. Februar 2027
Forschungsteam
Dr Laura Maaß, Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (Projektleitung)
PD Dr Sarah Forberger, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS GmbH
Dr Max Westphal, Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS
PD Dr Guido Schmiemann, Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegewissenschaften (IPP)
Prof. Dr Anke Reinschlüssel, Universität Bayreuth, Mobile Computing & Telemedicine
Katharina Förster, BA Public Health (Stud. Hilfskraft)
Projekttyp
Seed-Money-Projekt gefördert vom Leibniz ScienceCampus Digital Public Health Bremen
Laufzeit:01. November 2025 - 28. Februar 2027
Forschungsteam:Karsten Engelke
Finanzierung:Leibniz ScienceCampus Digital Public Health BremenBand: 38.000,00€
Projekttyp:Drittmittelprojekt
Koordination:Dr. Public Health Laura Maaß (1)