Tätigkeitsberichte des SOCIUM


Diskussionsrunde mit Prof. Du Peng und Prof. Lu Jiehua von der School of Population and Health der Renmin University of China und dem Team von Prof. Dr. Heinz Rothgang

Das SOCIUM hat sich sehr gefreut, Prof. Du Peng und Prof. Lu Jiehua von der School of Population and Health der Renmin University of China in Bremen begrüßen zu dürfen. Der dreitägige Besuch bot Gelegenheit für einen intensiven wissenschaftlichen Austausch zu Fragen der Pflege, Gesundheit und alternden Gesellschaften.

Im Mittelpunkt des Programms stand eine Diskussionsrunde am SOCIUM mit dem Team um Prof. Dr. Heinz Rothgang. Dabei wurden aktuelle Arbeitsschwerpunkte der Abteilung - Personalbemessung und Digitalisierung in der Pflege, sowie Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit TCall - vorgestellt. Der Austausch machte deutlich, wie ähnlich die Fragestellungen und wie relevant internationale Perspektiven für die Weiterentwicklung der Pflege- und Versorgungsforschung sind.

Weitere Programmpunkte waren die Besuche des SkillsLab an der Hochschule Bremen, des Bremen Ambient Assisted Living Lab (BAALL) sowie der Senioreneinrichtung St. Franziskus. Dort erhielten die Gäste Einblicke in innovative Ansätze der akademischen Pflegeausbildung, in digitale Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben im Alter sowie in die Auswirkungen der praktischen Transferarbeit von TCall für die Versorgung älterer Menschen.

Auch der persönliche Austausch kam nicht zu kurz: Bei einem Spaziergang durch die Bremer Altstadt und gemeinsamen Gesprächen bot sich die Möglichkeit, die wissenschaftliche Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

Der Besuch von Prof. Du Peng und Prof. Lu Jiehua war für das SOCIUM eine große Ehre und unterstreicht die Bedeutung internationaler Kooperationen angesichts der Herausforderungen des demografischen Wandels.


Kontakt:
Thomas Kalwitzki
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58544
E-Mail: thomas.kalwitzki@uni-bremen.de

Diskussion im Rahmen des Gesundheitspolitischen Kolloquium

Über 80 Personen kamen am 17.06.2026 ins Haus der Wissenschaft, um über die geplanten Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und sozialen Pflegeversicherung (SPV) zu diskutieren.

In Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer lud das Gesundheitspolitische Kolloquium zu der Diskussion ein und griff damit zwei zentrale Debatten der laufenden Legislaturperiode auf. Hintergrund waren die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegten Entwürfe für das „GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ sowie das „Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG).“

Den inhaltlichen Auftakt bildeten zwei Eingangsvorträge: Prof. Dr. Heinz Rothgang (Gesundheits- und Pflegeökonom am SOCIUM, Universität Bremen) gab zunächst einen Überblick über die aktuellen Reformvorschläge. Die Vorschläge im Bereich der GKV verfehlten seiner Ansicht nach das grundlegende Effizienzproblem des Gesundheitssystems, seien aber nicht vollkommen fehlgeleitet. Im Bezug auf die durch das PNOG vorgesehenen Kürzungen zeigte er sich in seiner Einschätzung hingegen deutlich drastischer: „Der Gesetzentwurf verfehlt das eigentliche Reformziel“.

Anschließend ordnete Dr. Jennie Auffenberg (Referentin für Gesundheits- und Pflegepolitik, Arbeitnehmerkammer Bremen) die Pläne kritisch aus der Perspektive von Beschäftigten ein. Sie unterstrich, dass insbesondere das Pflegebudget in den Kliniken erhalten bleiben und die Tarifbindung besonders in Pflegeeinrichtungen gestärkt werden muss, andernfalls drohen Personalabbau, Arbeitsverdichtung und Berufsflucht. Das Grundproblem der aktuellen Vorschläge fasste sie so zusammen: „Wir sehen hier eine reine Sparpolitik und keine nachhaltigen und bedarfsgerechten Strukturreformen, die wir eigentlich brauchen“.

Nach den Vorträgen diskutierten die Teilnehmenden im Plenum und bei einem Imbiss an Stellwänden zu den Gesetzentwürfen, möglichen Alternativen und Vernetzungsmöglichkeiten aus.

Weitere Informationen zum Gesundheitspolitischen Kolloquium und die Vortragsfolien finden Sie hier:


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. Maren Emde
Unicom Gebäude
Mary-Somerville-Straße 1
28395 Bremen
Tel.: +49 421 218 58519
E-Mail: maemde@uni-bremen.de

Abschlussbericht zur Evaluation tariflicher Regelungen veröffentlicht

Am 08.06.2026 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) den Abschlussbericht zur „Evaluation der Wirkungen der Regelungen zur Entlohnung nach Tarif in der Langzeitpflege“ veröffentlicht. Die Evaluation hatte das Ministerium unter Beteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) bei dem SOCIUM der Universität Bremen und dem Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule in Auftrag gegeben.

Im Jahr 2022 hat der Gesetzgeber Regelungen zur tarifgerechten Entlohnung in der Langzeitpflege eingeführt. Diese sehen vor, dass Pflegeeinrichtungen nur zur Versorgung zu Lasten der Pflegeversicherung zugelassen werden, wenn sie sich entweder an kollektivvertragliche Regelungen wie einen Tarifvertrag oder kirchliche Arbeitsrechtsregelungen binden, an diesen orientieren oder das regional übliche Entlohnungsniveau anwenden.

Die wissenschaftliche Evaluation zeigt: Die Regelungen haben ihr Ziel erreicht. Die Lohnsteigerungen, insbesondere in den unteren Einkommensgruppen, die zwischen 2022 und 2025 zu verzeichnen waren, sind demnach zu einem großen Teil auf diese Regelungen zurückzuführen. Die Lohnniveaus stiegen in dem Zeitraum in allen Bundesländern, wenn auch unterschiedlich stark: So stieg das regional übliche Entlohnungsniveau beim Hilfspersonal in Bremen zum Beispiel um rund 39 %, in Schleswig-Holstein lediglich um ca. 15 %.

Die Lohnsteigerungen wirkten sich auch auf die Preise in der Langzeitpflege aus: In den zwei Jahren nach Einführung der Regelungen zur tarifgerechten Entlohnung stiegen die Preise für ambulante und stationäre Pflegeleistungen deutlich stärker als in den drei Jahren zuvor. Insgesamt führten die Regelungen aber durch die bessere Bezahlung zu einer Aufwertung des Pflegeberufs und trugen somit zu der Erreichung von Zielen der „Konzertierten Aktion Pflege“ bei.

Der aktuelle Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) sieht ein Aussetzen der Regelungen zur tarifgerechten Entlohnung für zunächst vier Jahre vor. Prof. Dr. Heinz Rothgang (SOCIUM, Universität Bremen): „Diese Vorschläge gehen aus unserer Sicht in die falsche Richtung. Wir haben die Aussetzung der Regelungen als Szenario in unserer Evaluation betrachtet, diese Option aber verworfen. Die Regelungen erfüllen ihr Ziel und sollten grundsätzlich beibehalten, wenn auch im Detail angepasst werden.“

 

Eine Einschätzung der aktuellen Diskussion um die tariflichen Regelungen in der Langzeitpflege gibt Prof. Rothgang auch in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=dN_MqDNbvXY


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Der Ausländer:innenanteil im Stadtteil und die wahrgenommene Unsicherheit im öffentlichen Raum

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Dieser Datenmonitor geht mithilfe raumbezogener Daten des German Social Cohesion Panel (SCP) der Frage nach, ob ein höherer Anteil von Ausländer:innen in dem Stadtteil, in dem die Befragten wohnen, das subjektive Sicherheitsempfinden beeinflusst. Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr Ausländer:innen bedeuten nicht mehr Unsicherheit – weder für Frauen noch für Männer. Zwar berichten Frauen insgesamt häufiger von einem höheren Unsicherheitsgefühl – dieses steht jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Ausländer:innenanteil. Stattdessen zeigt sich, dass soziale Bedingungen und individuelle Einstellungen bedeutsamer für das Unsicherheitsempfinden sind. Die Ergebnisse widersprechen damit verbreiteten Annahmen in politischen Debatten und tragen zur Versachlichung der Diskussion bei.

In politischen Debatten wird Migration häufig mit Fragen der Sicherheit verknüpft – oft jedoch ohne belastbare Datengrundlage. Ein Beispiel dafür ist eine viel diskutierte Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, die eine kontroverse Debatte auslöste: »Aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.« [1]

Als Journalist:innen einige Tage später genauer nachfragten, deutete Merz an, dass seine Bemerkung mit Fragen der Sicherheit im öffentlichen Raum zusammenhänge. Zudem bemerkte er, man solle »einmal seine Töchter fragen«, was damit gemeint sein könnte.

Man könnte diese Aussage als These interpretieren, dass sich insbesondere (junge) Frauen im öffentlichen Raum unsicherer fühlen, wenn mehr Ausländer:innen[2] dort präsent sind. Wir wollen diese These empirisch prüfen und gehen in diesem FGZ Datenmonitor folgenden Fragen nach:

  • Geht ein höherer Anteil an Ausländer:innen am Wohnort mit größerem Unsicherheitsempfinden einher?
  • Ist ein höherer Anteil von Ausländer:innen am Wohnort insbesondere bei (jungen) Frauen mit einem stärkeren subjektiven Unsicherheitsempfinden verbunden?


Zur Beantwortung dieser Fragen untersuchen wir anhand raumbezogener Daten des German Social Cohesion Panels (SCP) aus dem Jahr 2022, ob sich Zusammenhänge zwischen dem Anteil von Ausländer:innen im Stadtteil und der wahrgenommenen Sicherheit im öffentlichen Raum zeigen und wie sich diese Zusammenhänge zwischen Männern und Frauen und nach Altersgruppen unterscheiden.

Die komplette Studie finden Sie hier.


Kontakt:
Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66440
E-Mail: olaf.grohsamberg@uni-bremen.de

Dr. Nils Teichler
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57051
E-Mail: teichler@uni-bremen.de

Svenja Oltmanns
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 1
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-56601
E-Mail: svenja.oltmanns@uni-bremen.de

Ausbau der interdisziplinären Sozialpolitikforschung mit klarem Fokus auf zukünftige Herausforderungen

Duisburg/Bremen – Das Deutsche Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) startete am 1. Mai 2026 in seine zweite Förderphase. Die neue Förderung durch das BMAS erstreckt sich bis zum 31. Dezember 2029. Aufbauend auf den in der ersten Förderperiode von 2021 bis 2026 geschaffenen Grundlagen bearbeitet das DIFIS ein neues Forschungsprogramm in vier Forschungsfeldern, konsolidiert bewährte Instrumente für die wissenschaftliche Vernetzung und die Zusammenarbeit mit Politik und Praxis und entwickelt damit die interdisziplinäre Sozialpolitikforschung im Hinblick auf zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen strategisch weiter.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der neuen Förderphase auf der prospektiven Sozialpolitikforschung. Ziel ist es, frühzeitig relevante Entwicklungen zu identifizieren und wissenschaftlich fundierte Orientierungen für Politik und Praxis zu erarbeiten. Inhaltlich konzentriert sich das DIFIS auf zentrale gesellschaftliche Transformationsprozesse wie demografischen Wandel, Migration, Digitalisierung und Klimawandel und bündelt diese in vier neu ausgerichteten Forschungsfeldern, die sich unter anderem mit Arbeitswelt, sozialen Sicherungssystemen, Lebensverläufen sowie der Steuerung und Umsetzung von Sozialpolitik befassen.

Gleichzeitig baut das DIFIS seine Aktivitäten weiter aus. Neben zusätzlichen Forschungsprojekten sind neue Veranstaltungsformate sowie ein verstärkter Transfer und Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit geplant. Damit soll die Vernetzung innerhalb der sozialpolitischen Forschungslandschaft weiter gestärkt und die Sichtbarkeit evidenzbasierter Sozialpolitikforschung erhöht werden.

„Die zweite Förderphase ist ein wichtiger Schritt, um die Rolle des DIFIS als führende Plattform der Sozialpolitikforschung weiter auszubauen. Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen ist eine fundierte, interdisziplinäre Forschung wichtiger denn je“, so die Direktorin des DIFIS, Prof. Dr. Ute Klammer.

Mit der Fortsetzung der Förderung unterstreicht das DIFIS seinen Anspruch, langfristig zur Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und zukunftsorientierten Sozialpolitik beizutragen.

Im Rahmen der zweiten Förderphase schreibt das DIFIS aktuell Fellowships sowie Issue-Networks aus – Interessierte sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben.

Über das DIFIS
Das Deutsche Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) fördert die sozialpolitische Forschung in Deutschland durch Vernetzung, Nachwuchsförderung und Wissenstransfer. Es wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert und von der Universität Duisburg-Essen sowie der Universität Bremen getragen.

Kontakt zur Öffentlichkeitsarbeit im DIFIS:

Dana Morisse
Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung
Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ)
Universität Duisburg-Essen
Presse@difis.org
www.difis.org

Das FID-Gender-Team beim Kickoff im Februar 2026 Foto: Christian Demarco
Das FID-Gender-Team beim Kickoff im Februar 2026 Foto: Christian Demarco
DFG fördert Qualiservice als Partner des FID Gender

Das Forschungsdatenzentrum Qualiservice wird als Partner des Fachinformationsdienstes Geschlechterforschung/Gender Studies (FID Gender) von Beginn der ersten Förderphase an für drei Jahre (2026-28) durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Mit dem FID Gender entsteht erstmals eine koordinierte Infrastruktur zur wissenschaftlichen Informationsversorgung für die inter- und transdisziplinäre Geschlechterforschung in Deutschland. Ziel ist es, Forschende sowohl in den Gender Studies als auch in anderen Disziplinen mit geschlechterbezogenen oder intersektionalen Perspektiven zu unterstützen. Dazu werden bestehende Rechercheinfrastrukturen gebündelt, die Literaturversorgung verbessert und neue Informations- und Beratungsangebote im Bereich Forschungsdatenmanagement und Open Access geschaffen. Im Mittelpunkt steht die nachhaltige Förderung und Sichtbarmachung geschlechterbezogener Forschung, insbesondere durch das geplante Fachportal, welches im Laufe des Jahres 2026 online gehen wird.

Qualiservice engagiert sich für den Aufbau einer fachspezifischen Anlauf- und Beratungsstelle für die Archivierung und Sekundärnutzung qualitativer Forschungsdaten in den Gender Studies. Wir bündeln und bereiten Informationen zu bestehenden Forschungsdateninfrastrukturen auf und entwickeln praxisnahe Informations-, Beratungs- und Trainingsangebote für die Fachcommunity.

An dem Verbundprojekt FID Gender sind beteiligt:

 

Weitere Informationen finden Sie in den Beiträgen unserer Kooperationspartner.

MvBZ
https://www.mvbz.fu-berlin.de/vernetzung/fid_gender/index.html

GESIS
https://www.gesis.org/cews/drittmittelprojekte/aktuelle-projekte/fid-gender-studies


Kontakt:
Hai Ha Nguyen
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58528
E-Mail: haiha.nguyen@uni-bremen.de

Forschende des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) und des SOCIUM der Universität Bremen präsentierten auf der 8. Konferenz „Zukunft der Pflege“ in Nürnberg aktuelle Forschung zur digitale

Unter der Leitung von Professorin Karin Wolf-Ostermann vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) und Professor Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik beteiligten sich Forschende der Universität Bremen an der 8. Konferenz „Zukunft der Pflege“ in Nürnberg. Der Titel „Digitale Transformation: smart, sicher, souverän!“ leitete die Konferenz, die eine den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik zu aktuellen Entwicklungen und Innovationen im Pflegebereich stärkt. In mehreren Vorträgen und einem interaktiven Workshop brachten die Forschenden aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse sowie praxisnahe Perspektiven zur digitalen Transformation der Pflege in die Diskussion ein.

Jessica Lobitz (IPP) stellte in ihrem Vortrag die videobasierte Pflegebegutachtung (ViBe-Pflege) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI vor. Sie zeigte, wie Gutachtende diese Form der digital unterstützten Begutachtung akzeptieren und welches Potenzial videobasierte Verfahren für eine flexiblere, effizientere und zugleich qualitativ hochwertige Pflegebegutachtung bieten. Im Workshop „Von der Idee zur souveränen Umsetzung – Ein Workshop zur erfolgreichen Einführung telebasierter Pflege mithilfe von Patient Journeys“ unterstützten Dominik Domhoff (IPP), Janina Ehe (SOCIUM) und Julia Misonow (IPP) die Teilnehmenden dabei, anhand konkreter Beispiele zentrale Schritte bei der Einführung telepflegerischer Technologie am Beispiel von Wearables kennenzulernen. Gemeinsam entwickelten die Teilnehmenden Strategien für eine erfolgreiche Implementierung. Dr. Kathrin Seibert (IPP) eröffnete mit ihrem Vortrag „Digital nah und doch (noch) so fern?! – Anwendungsfelder und Chancen von Telepflege im Pflegealltag“ den Programmpunkt Telepflege. Anschaulich zeigte sie, wie digitale und telepflegerische Lösungen Pflegepersonen im Alltag unterstützen können und welches Potenzial sie für eine moderne, vernetzte Versorgung bieten. Dabei wurde deutlich: Telepflege trägt schon heute zu einer zukunftsfähigen Pflegepraxis bei. Wichtige Impulse setzten die Forschenden aus dem SOCIUM: Swenja Krüppel präsentierte Ergebnisse zur Implementierung von Sturzsensoren in Pflegeeinrichtungen. In ihrem Vortrag „Mehr als nur Installation – ein partizipativer, qualitativer Logic Model-Ansatz zur Identifikation von Hypothesen und Outcomes“ verdeutlichte sie eindrucksvoll, dass technologische Innovationen in der Pflege nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn ihre Einführung partizipativ gestaltet und organisatorische sowie soziale Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Dominik Domhoff stellte Ergebnisse zu strukturellen Anforderungen für eine erfolgreiche Digitalisierung in der Pflege vor. Sein Vortrag „Strukturelle Anforderungen für die erfolgreiche Digitalisierung in der Pflege – Ergebnisse eines Rapid Reviews und einer Onlinebefragung“ beleuchtete zentrale Voraussetzungen für die nachhaltige Umsetzung digitaler Innovationen im Pflegealltag. Janina Ehe vom SOCIUM moderierte den Programmblock, der sich durch eine lebhafte Diskussion mit dem Fachpublikum auszeichnete. Am letzten Konferenztag präsentierte Julia Misonow ihren Beitrag „Vergleich und Bewertung effizienterer Studiendesigns als Alternative zu randomisierten kontrollierten Studien“. Sie stellte vor, wie innovative methodische Ansätze dazu beitragen können, Interventionen im Gesundheits- und Pflegebereich praxisnah und zugleich wissenschaftlich fundiert zu evaluieren. Im Themenfeld digitaler Innovationen in der Pflege ist dies besonders wichtig, da Wirksamkeitsstudien im Pflegealltag oft komplex sind.

Alle Beiträge der Universität Bremen stießen auf großes Interesse bei den Konferenzteilnehmenden und unterstrichen die hohe Relevanz der Forschung für die Weiterentwicklung der Pflege. Professorin Karin Wolf-Ostermann und Professor Heinz Rothgang nehmen als Leitungen der beteiligten Forschungsteams eine zentrale Rolle bei der Förderung innovativer Forschungsansätze an der Schnittstelle von Pflege, Digitalisierung und Versorgungsforschung ein. Professor Rothgang adressierte in seinem „Impuls: Finanzierung von Pflegeinnovationen in der Langzeitpflege“ und in der sich daran anschließenden Podiumsdiskussion die drängende Frage der Finanzierung digitaler Technologien in der Akut- und Langzeitpflege. Ein Technik-Pflege-Schlüssel, der erlaubt, unbesetzte Personalmittel aus dem Rahmen des §113c Abs. 1 SGB XI für arbeitszeitsparende digitale Technik zu nutzen, könnte für Pflegeheime und ambulante Pflegedienste hierbei neue Möglichkeiten schaffen.

Der intensive Austausch mit Personen aus Wissenschaft und Pflegepraxis zeigen auf der Konferenz eindrucksvoll das Engagement der Forschenden der Universität Bremen, die digitale Transformation der Pflege mitzugestalten und zukunftsfähige Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu entwickeln.

Text: Julia Misonow, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Universität Bremen

Bild: Dominik Domhoff / Universität Bremen

05.02.2026

SOCIUM Jahrestagung

(c) Maximilian Hohmann
(c) Maximilian Hohmann
05.02.2026

Die diesjährige Jahrestagung des SOCIUM - Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik - fand am 05.02.2026 in der Rotunde im Cartesium an der Universität Bremen statt. Im Mittelpunkt des kollegialen Austausches stand die gegenseitige Berichterstattung über aktuelle Forschungsergebnisse und strategische Vorhaben. Zu den beteiligten Institutionen zählten neben dem SOCIUM unter anderem der SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und das Deutsche Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS).


Kontakt:
Prof. Dr. Simone Scherger
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58569
E-Mail: simone.scherger@uni-bremen.de

Prof. Heinz Rothgang präsentiert Projektergebnisse in Berlin

Im Auftrag des GKV-Spitzenverbands entwickelten und erprobten Bremer Wissenschaftler:innen ein neues Konzept zum Personaleinsatz in Pflegeeinrichtungen, das zukünftig in über 11.000 Einrichtungen der stationären Langzeitpflege in Deutschland umgesetzt werden kann. Am 21.01.2026 wurden die Ergebnisse des Modellprogramms in Berlin vorgestellt.

Die angespannte Personalsituation in Pflegeeinrichtungen ist schon lange eines der drängendsten gesundheitspolitischen Themen in Deutschland. Mehr Personal kann aber nur dann eine Lösung sein, wenn Pflegeheime dieses auch zielgerichtet einsetzen. Hier setzt das in Bremen entwickelte Konzept zum Personaleinsatz an, das eine „Kompetenz- und bewohnendenorientierten Arbeitsorganisation“ (KubA) einführt, die unterschiedliche Qualifikationen und Kompetenzen des Pflegepersonals und die Bedarfe und Bedürfnisse der Bewohnenden passgenau zueinander bringt.

Im Zeitraum von September 2023 bis Dezember 2025 wurde das Konzept in zehn Modelleinrichtungen deutschlandweit praktisch umgesetzt und evaluiert. Die Umsetzung beinhaltete dabei auch einen umfassenden Prozess der Personal- und Organisationsentwicklung in Form von Schulungen, Workshops und Fortbildungen zu Themen wie Personalentwicklungsgespräche, dem qualifikationsorientierten Pflegeprozess oder Dienstplanungen. Für die Evaluation wurden die Pflegekräfte in ihren Tätigkeiten von sogenannten „Schatten“ vor und nach der Umsetzung des Konzepts beobachtet. Zusätzlich wurden die Mitarbeitenden sowie die Bewohnenden der Pflegeeinrichtungen zu ihrer jeweiligen Zufriedenheit befragt. Im Ergebnis zeigen sich positive Effekte in den Modelleinrichtungen: die Pflegequalität hat sich verbessert, sowohl die Zufriedenheit mit der pflegerischen Versorgung als auch die der Mitarbeitenden ist erhöht und der Personaleinsatz ist effizienter. „Das Konzept zur Implementation der kompetenz- und bewohnendenorientierten Arbeitsorganisation sowie umfassende Materialien dafür liegen vor. Nun liegt es an den Pflegeeinrichtungen, mit der Umsetzung zu beginnen und ihren Personaleinsatz zukünftiger passgenauer zu gestalten“, sagt Projektleiter Prof. Heinz Rothgang (Socium, Universität Bremen).

 

Hintergrund: PeBeM-Studie

Die vorgestellten Maßnahmen basieren auf Ergebnissen eines Vorgängerprojekts, in dem die Entwicklung eines Instruments zur Personalbemessung im Zentrum stand. In dieser sogenannten PeBeM-Studie wurde ein Algorithmus entwickelt, der berechnet, wie viel Personal unterschiedlicher Qualifikationsstufen benötigt wird, um zukünftig die Bewohnenden fachlich angemessen zu versorgen. Denn nicht nur die Bedarfe und Bedürfnisse der Bewohnenden sind individuell, auch die Qualifikationen des Personals unterscheiden sich: Neben examinierten Pflegekräften arbeiten mittlerweile auch ausgebildete Pflegeassistenzkräfte, Hilfskräfte und Pflegekräfte mit Bachelorabschluss in Pflegeeinrichtungen.

Der in der PeBeM-Studie entwickelte Algorithmus ergab auf alle Einrichtungen angewendet einen Personalmehrbedarf von durchschnittlich 36% im Verhältnis zur Personalausstattung des Jahres 2018 – überwiegend im Bereich ausgebildeter Pflegeassistenzkräfte. Diese Ergebnisse wurden in der aktuellen Studie für das Jahr 2025 überprüft und bestätigt. Schon auf Basis der PeBeM-Studie hat der Gesetzgeber Personalobergrenzen eingeführt, die es den Pflegeeinrichtungen ermöglichen, bundesweit bis zu 45.000 zusätzliche Pflegekräfte (gerechnet in Vollzeit) einzustellen. Wird hiervon Gebrauch gemacht folgt, dass zukünftig nahezu gleiche Mengen von Fachkräften von deutlich mehr Assistenzkräften unterstützt werden. Dieser veränderte Qualifikationsmix macht eine neue Arbeitsorganisation und den oben beschriebenen Prozess der Personal- und Organisationsentwicklung erforderlich.

Das Umsetzungskonzept zur Personalplanung, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse deutschlandweit in die Praxis bringen soll, wurde von Forschenden des SOCIUMS und des Instituts für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen und der Hochschule Bremen entwickelt. Die Konzepterprobung in zehn Modelleinrichtungen wurde mit der Unternehmensberatung contec GmbH als Praxispartner verantwortet, die Evaluation erfolgte zusammen mit dem aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH.

 

Links:

Weitere Informationen zum Modellprogramm: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprogramm___8_abs__3b_sgb_xi/modellprogramm_8_abs_3b.jsp

Implementationskonzept und Materialien: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/forschung/modellprogramm___8_abs__3b_sgb_xi/8_abs_3b_materialien/implementationskonzept_und_materialien.jsp

Foto: Patrick Pollmeier / Universität Bremen


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
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E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Mutterschaft verringert komplexe Tätigkeiten im Job

Wie sich die Geburt eines Kindes auf den Inhalt der beruflichen Tätigkeit von Frauen auswirkt, untersuchen Wiebke Schulz (SOCIUM Universität Bremen) und Gundula Zoch (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) in einer neuen Studie im Journal of Marriage and Family. Mutterschaft gilt als zentrale Ursache geschlechtsspezifischer Ungleichheiten am Arbeitsmarkt, jedoch ist über Veränderungen der konkreten Arbeitsaufgaben bislang wenig bekannt.

Die Analyse von Paneldaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS, 2011–2020) mit individuellen Fixed-Effects-Modellen zeigt: Nach der Geburt übernehmen Mütter seltener analytische, komplexe und interaktive Tätigkeiten. Diese Rückgänge konzentrieren sich vor allem auf diejenigen, die ihre Arbeitszeit reduzieren. Veränderungen durch berufliche Mobilität oder die Dauer der Elternzeit lassen sich hingegen nicht nachweisen.
Die Studie zeigt damit einen bisher wenig beachteten Aspekt geschlechtsspezifischer Ungleichheit. Mutterschaft verändert die Inhalte der Arbeit, was ein wichtiger Faktor für Arbeitsqualität, Kompetenzentwicklung und langfristige Karrierechancen ist.

Der vollständige Artikel ist hier frei zugänglich